Tai Chi Verein Linz


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Aikido/Heuscher

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Interview (2001)
Heuscher Fritz geboren 1959 (5.DAN.Aikikai) lebt in der Schweiz und ist Assistent von Ikeda.Sensei (7.DAN - Repräsentant des Honbu -Dojos)

· Herr Heuscher , ich bedanke mich im Namen der Leser des TaiChiOnline@InsideMagazin dafür das Sie uns Ihre kostbare Zeit für dieses Gespräch zur Verfügung gestellt haben. Ich weiß das Sie ein vielbeschäftigter Man sind. Lassen Sie uns heute ein wenig über den Budo sprechen.

· Herr Heuscher, man sagt das sich Aikido von Judo, Karate unterscheidet. Worin liegt der Unterschied.

Im Karate und Judo gibt es so etwas wie einen "Wettkampfbereich". Im Aikido gibt es keinen Wettkampf! Auch Aikido wurde aus den bestehenden Kampftechniken entwickelt. Der Erfinder von Aikido O-Sensei Morhei Ueshiba hatte diese Kampftechniken studiert. Gleichzeitig wurde er von einem großen Philosophen beeinflußt. Dieser Philopsoph war ein Japaner der revolutionäre Gedanken hatte. Eines der Beispiele ist, daß er schon in der Zeit als sich Japan mit China im Krieg befand die Weltsprache Esperanto einführen wollte. Stellen Sie sich das einmal vor...... Dieser Philosoph war ein sehr pazifistischer Mensch. Der O-Sensei hatte mit ihm sehr viel Zeit verbracht, und dann hat sich O-Sensei überlegt, wie man diese "Gewinner-Gewinner- Haltung" auch im Budo realisieren könnte. Er benutzte dafür die ganz alten, von den Samurai überlieferten "Aiki-Techniken" und transformierte diese in das Aikido.

· Was ist Budo

Budo ist ein Sammelbegriff. Er wird zusammengesetzt aus der Silbe "DO", daß bedeutet "Der Weg". Das Wort "BU" kommt vom "Bushido", daß war ursprünglich "Der Weg des Kriegers". Heute hat man das ein wenig gekürzt und verwendet das Wort "Budo" als Sammelbegriff für verschiedene Kampfkünste (Iaido, Kendo, Karatedo, Aikido, Judo.....)

· Viele Menschen, ganz besonders hier im Westen, betrachten Aikido als etwas mystisches. Gibt es im Aikido etwas mystisches

Am Anfang kommt einem sehr vieles "mystisch" vor, weil man selber keine Erfahrung darin hat. Es kommt aus einer anderen Kultur. Aber, man vergisst sehr oft, daß wir in Europa, alle diese Kampftechniken schon einmal hatten. Im Mittelalter haben die Ritter waffenlose Techniken entwickelt. Es gibt in Deutschland Lehrbücher aus dieser Zeit, die das ganz genau dokumentieren. Die Kunst des Ringens war zum Bespiel in unseren Gegenden sehr bekannt. Nur wurde bei uns dieses Wissen nicht beachtet. In Japan wurde dieses Wissen von Generation zu Generation überliefert. Die Samurai haben diese Tradition gepflegt und für die nächsten Generationen erhalten. Diesem Geschenk haben wir es heute zu verdanken, daß wir diese Techniken üben dürfen. Aber ich muß noch einmal nachhaltig betonen; "Dieses Wissen, war hier in Europa schon einmal vorhanden !"

· Gibt es so etwas wie "Aiki" im Judo, Karate, Kung Fu.....

Aiki hat viele Bedeutungen. Das sind wieder zwei Silben "AI" und "KI". Im Aikido zum Bespiel bedutet "AI" die "Spirituele Energie" und das "DO" ist "Die harmonische Vereinigung " dieser Energie. Aiki ist aber auch die Bezeichnung, wie ich schon zuerst erwähnt habe, für die ganz alten waffenlosen Techniken der Samurai. Diese Kampfbewegungen die mit dem Körper ausgeführt werden, sind immer die Basis für alle Künste. Die Haltung ist es aber die den Unterschied macht. Man "könnte" Judo betreiben mit der Haltung von Aikido und man wird sich sehr ähnlich oder gleich bewegen wie im Aikido. Man kann Aikido-Techniken mit der Haltung eines Killers ausführen, dann hat das aber nichts mehr mit dem Aikido zu tun. Es sieht dann eher wie eine andere Kampfkunst aus.

· Gibt es so etwas wie einen "Angriff" im Aikido

Ja !

· Was ist das

Wenn man auf die aggresive Energie eines Angreifers eingeht, dann muß man für alles offen sein. Offen sein, bedutet nicht "Schwach sein". Man öffnet seine Sensoren und sendet seine Energie aus um zu sondieren (zu hören, sehen und spüren) was ist bei meinem Gegenüber vorhanden. Wenn man es weiß, dann wird man auch damit umgehen können. Man könnte dieses "versenden" von Energie auch als "Angriffsenergie" bezeichnen.Man muß hier aber klar unterscheiden; Aikido ist eine defensive Kampfkunst und es gibt daher keine "Angrifftechniken".

· Herr Heuscher, wann haben Sie mit dem Studium der Kampfkünste begonnen

Ich habe 1976 zuerst mit Judo und JiuJitsu begonen. Danach habe ich auch sehr bald mit dem Aikido angefangen und bin letztlich beim Aikido hängengeblieben.

· Konnten Sie im ersten Training, sofort mit dem richtigen Aikido anfangen

Also, im Judo und auch im JiuJitsu, ich war damals 17 Jahre alt und ich war technisch ziemlich begabt, ist es mir relativ leicht gefallen, diese Techniken zu lernen. Ich bin zu meinem ersten Akidotraining gegangen und habe gesehen, daß diese Techniken sehr leicht aussahen. Als ich sie machen mußte, bemerkte ich sofort, daß es sehr schwer war diese richtig auszuführen. Man muß mit diesen Bewegungen auch die richtige Haltung entwickeln und das war am Anfang nicht leicht. Das war für mich sehr schwer und eine große Herausforderung und das ist auch heute so. Das ist es auch, was mich nach wie vor so fasziniert am Aikido.

· In den Interviews ist sehr oft zum lesen das viele der großen Sensei, Aikido sehr oft auch außerhalb des Dojo zur Selbstverteidigung, anwenden mußten. Haben Sie Aikido bisher außerhalb des Dojo in einem Kampf anwenden müssen

Das ist eine sehr schwierige Frage ! Was ist Kampf ? Wenn ich eine geschäftliche Besprechung habe und es sind verschiedene Interessen vorhanden, dann sind in diesem Raum auch verschiedene Energien vorhanden. Auch hier muß ich "sondieren", aber das Ziel ist nachwievor das es letztlich zu einer "Gewinner-Gewinner" Situation kommt. Das ist die innere Haltung von Aikido.

· Kann man sagen das "Kampf" nicht Budo ist

Ganz im Gegenteil. Das ganze Leben ist ein Kampf. Aber nicht mit einem destruktivem Beigeschmack ! Der Budo ist eine ganz wertvolle Plattform. Es ist eine große Herausforderung und keine leichte Aufgabe den Budo zu studieren. Jeder Mensch der sich dafür entschließt den Budo zu studieren, muß sich zuerst eingestehen das es in seinem Wissen viele Lücken, ich bezeichne sie auch als "Weisse Flecken", gibt. Der Budo, gibt ihm die Möglichkeit in diesem Lebenskampf, an seinen "Weissen Flecken" zu arbeiten. Das Ziel ist diese Lücken zu füllen.

· Was ist Wettkampf



Den größten Wettkampf hat man mit sich selbst. Wenn man diesen Wettkampf führt, um seine Emotionen unter kontrolle zu halten, ist das ein guter Wettkampf. Wenn man aber die Techniken nur dafür studiert, um seinen Körper in so eine Verfassung zu bringen, damit man ihn als Waffe benützen kann, um in einem Wettkampf die Gesundheit oder das Leben eines anderen bedroht, dann gibt es eine "Gewinner-Verlierer" Situation und das ist nicht Budo.

· Aikodo-Techniken werden oft in Armee und Polizeiausbildungen unterrichtet. Aikido zählt zu einer der effizientesten Kampfkünsten überhaupt. Was ist ihre Meinung zu dieser Entwicklung

Ein Samuraischwert ist ein wunderschönes, von einem Künstler hergestelltes Kunstobjekt. Es gibt nichts schöneres als so ein Samuraischwert zu betrachten. Man kann dieses Kunstobjekt, zuhause pflegen oder aber auch als Trainigsgerät dazu gebrauchen, um seine eigenen Techniken zu perfektionieren. Man könnte aber dieses Schwert aber auch als tödliche Waffe einsetzten. Es kommt daher nur auf den Menschen und seine Haltung an, welche Funktion dieses Schwert haben wird.Genau so kann man auch Aikido-Techniken mißbrauchen. Man kann niemanden verbieten Aikido-Techniken in einer gegebenen Situation anzuwenden. Aber wer den Weg des Aikido geht, wird verstehen, daß es der Menscheit nicht dienlich ist, wenn wir uns gegenseitig mit Haß begegnen oder gar töten. Wenn man positive Energie versendet kommt es immer zu einer "Gewinner-Gewinner" Situation. Nur die eigene Schwäche kann einen dazu motivieren, Leben zu verletzen oder zu zerstören. Wir arbeiten im Aikido an unseren Schwächen. So sind wir in der Lage, diese negative Energie die auf uns zukommt mit unserem Können einfach zu neutralisieren. Das ist daß wahre Budo !



· Wenn man Sie oder auch den Sensei auf der Matte beobachtet, hat man den Eindruck daß Sie auch über sehr viel physische Kraft verfügen

Ja !

· Wirkt sich Aikido positiv auf die Gesundheit des Menschen aus

Der menschliche Körper setzt sich aus Körper, Seele und Geist zusammen. Früher hat man immer gesagt "Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper". Das ist auch heute eine sehr wichtige Aussage. Was hier vergessen wurde ist die Seele, aber wenn der Geist gesund ist und auch der Körper, dann ist auch die Chance sehr groß, daß sich auch ein seelisches Wohlbefinden einstellt. Alle drei Bereiche benötigen regelmäßige Nahrung ! Wenn wir Aikido trainieren, dann bekommen wir dort sehr viel Nahrung.

· Was ist KI (chinesisisch QI=Chi)

Über das KI könnte man Bücher über Bücher schreiben. Ich versuche es dennoch etwas vereinfacht zu erklären. KI ist die innere Energie. Jeder Mensch, jedes Lebewesen, ist im Besitz dieser Lebensenergie. Eine Materie die nicht lebt hat kein KI. Wenn Körper, Seele und Geist gesund sind, dann fließt durch unseren Körper gesundes KI. Gesundheit ist nur dann vorhanden wenn diese drei Bereiche in Kombination mit gesundem KI versorgt sind. Je mehr man davon hat, desto mehr kann man geben. Je mehr man geben kann, desto mehr wächst dieses KI.

· Man sagt das man im Aikido einen KI-Fluß hat....JA !Aber der Angreifer hat auch einen KI-Fluß....JA! Beduetet das, daß man auch seinen KI-Fluß beeinflußen kann, wenn man eine Aikido-Technik ausführt

Wenn der KI-Fluß des Angreifers, auf mich zukommt, muß ich ja auch damit umgehen können. Die Aufgabe eines Aikidokas ist es seinen Ki-Fluß mit dem Ki-Fluß des Angreifers zu harmonisieren. So kommt eine gemeinsame Bewegung zustande und wir können diesen Angriff ableiten.

· Wie wichtig ist ein Lehrer im Aikido



Ein Lehrer ist sehr wichtig. Weil ein guter Lehrer kann eine Umgebung aufbauen, in der die Schüler an ihren "Weissen Flecken" arbeiten können. Er kann dafür sorgen das es ein Dojo gibt wo die Schüler üben können, das sein Unterrichtssystem so eine Struktur hat, daß eine Entwicklung möglich ist. Er muß aber auch die Fähigeit besitzen die Bereitschaft der Schüler, die an sich selbst arbeiten möchten, zu erkennen. Und zuletzt noch ein wichtiger Punkt, ist das positive Unterrichten. Der Unterricht muß so gestaltet werden, daß die Schüler trotz ernsthaftem Arbeiten, eine Freude an der Bewegung haben.

· Am Beginn der Übung sagt man "onegaishi mas". Können Sie das für die Leser des TaiChiOnline@InsideMagazin etwas näher erklären

"Onegaishi mas" bedeutet nichts anderes, als "Ich möchte von dir lernen". Sie sehen auch der Lehrer ist ein Schüler. Das bringt wieder diese Geleichberechtigung (Gewinner-Gewinner-Situation) zum Ausdruck. Der Lehrer gibt während er lehrt, sein KI seinen Schülern. Wenn er sein KI geben kann, wächst sein KI !

· Was denken sie über das Unterrichtssystem "Lehren ohne Worte" und seine Anwendung hier im Westen

Wir im Westen sind tendentiell Kopflastig. Das Lehren ohne Worte ist daher sehr eingeschränkt anwendbar.Jeder Mensch hat eine unterschiedliche Lernfähigkeit. Der Lehrer ist hier sehr gefordert und muß für unterschiedliche Lerntypen ein Unterrsichtsangebot zusammenstellen. Es gibt Menschen die lernen über das Auge, andere über das Hören, andere über das Fühlen und andere über das Ausprobieren. Wenn man das alles nicht außer Acht läßt, ist das "Lehren ohne Worte" sinnvoll aber auch beschränkt anzuwenden.

· Herr Heuscher, was denken Sie über das chinesische Tai Chi Chuan

Ich weiß, daß im Tai Chi auch sehr viel mit dem Energiefluß gearbeitet wird. Das finde ich ist, enorm wichtig und wertvoll ! Denn wenn man einen Tag damit schon beginnt, um seinen inneren Energiefluß zu harmonisieren, dann finde ich das wunderbar ! Das hilft einem den ganzen Tag.

· Bei uns im Tai Chi Chuan gibt es , wenn man Partnerübungen (Push-Hands) übt das Prinzip "WU WEI" (Nicht Handel), könnte man diese Haltung mit dem Prinzip des "Nichtgezogenen Schwertes" im Aikido vergleichen

Ja, man könnte noch weiter gehen und sagen: "Nicht Handeln" bedeutet, man läßt jemanden anderen handeln!" Man kann dadurch, seine eigene Technik dazu benützen um Kontakt aufzunehmen, um in eine gemeinsame Bewegung zu kommen. Im Aikido ist dieser Kontakt sehr wichtig.

· In welchem Alter sollte man am Besten mit dem Aikido beginnen

Glücklicherweise ist das in jedem Alter möglich. Es gibt keinen Wettkampfdruck. Es gibt kein vorgeschriebenes Ziel, daß man in einem gewissen Zeitraum erreichen muß. Ideal ist es natürlich, wenn man schon als jugendlicher beginnt Aikido zu üben. Jede Genaration hat seine "Weissen Flecken"; im Kindesalter hat man zuwenig Selbsvertrauen und vielleicht noch kein Gefühl für seinen Körper entwickelt, bei jugendlichen laufen viele Emotionen mit, bei Erwachsene kommt die Angst vor der Berührung mit fremden Menschen......

· Wie lange muß man Aikido üben, damit man sagen kann "Jetzt habe ich genung wissen, jetzt brauche ich nicht mehr üben!"

Das ist zum Glück niemals der Fall (lacht)...

· Kann man Aikido üben, ohne das man Budoka wird

Wenn man Aikido übt ist man ein Aikidoka. Wie gesagt, Budo ist ein Sammelbegriff, man kann die Aikidokas zu den Budokas zählen.

· Aikido wird wie auch Tai Chi Chi auf der ganzen Welt unterrichtet. Man sagt es sind insgesamt um die 500.Mio Menschen die das chinesische Tai Chi Chuan üben. Wieviele Menschen üben das Aikido

..........ich denke das es auch schon über eine Million Menschen sind, die Aikido üben. In Europa ist es in Frankreich sehr verbreitet, in Asien in Japan logischerweise, es gibt kaum einen Staat auf der Welt in dem nicht Aikido unterrichtet wird. Was wir aber feststellen konnten, ist das die Entwicklung eine langsames aber stetiges Wachstum darstellt. Darüber bin auch ich sehr erstaunt.

· Wie sehen sie die weitere Entwicklung von Aikido in Europa und auf der ganzen Welt

Ich glaube das sich diese "Gewinner-Gewinner" Haltung immer mehr durchsetzen wird, weil es sehr wichtig für die Menscheit ist, wenn man miteinader lebt und nicht gegeneinader kämpft. Diese Haltung sorgt dafür, daß beide Teile an Erfahrungen reicher werden. Diese Haltung wird im Aikido betont und ich bin davon überzeugt, daß es immer Menschen geben wird, die diese Haltung trainieren möchten.

· Am Ende unseres Interviews möchte ich Sie bitten, daß Sie uns etwas über Iaido (Japanische Schwertkunst)

Iaido ist die Kunst des Schwertführens. Das ist auch ein sehr interessanter Weg. Das ist auch eine Kampfkunst die den "DO" beinhaltet. Aber das Training ist nie nur auf das Schwert reduziert, auch hier wird die Haltung entwickelt. Die Erkentnisse von Iaido sind im Aikido sehr schwer umzusetzen, weil man es relativ oft für sich selbst und alleine übt. Aber als Kunst ist es etwas sehr esthätisches und wertvolles.

· Was ist die wichtigste Eigenschaft eines Aikidokas

Die wichtigste Eigenschaft ist die Bereitschaft an seinen "Weissen Flecken"(das heisst an seinen Schwächen im körperlichen, geistigen und seelischen Bereich) arbeiten zu wollen und damit niemals aufzuhören. Leben bedeutet sich entwickeln..........

· Herr Heuscher, ich bedanke mich im Namen der Leser des TaiChi Online@InsideMagazin, dafür das wir heute von Ihnen lernen durften.

Autorisiertes Interview für den Tai Chi Verein Linz vom 08.09.2001

Radanovic.M.Rado

Dieses Interview wurde auch auf der Website von Aikido-Langenthal (Switzerland) veröffentlicht (News) !

www.aikido-langenthal.com/


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