Tai Chi Verein Linz


Direkt zum Seiteninhalt

Aikido/MeindlIV

Lernstoff > Budogespräche

Interview (2010)
Georg Meindl (5.Dan.Aikikai) geboren 1957 ist Besitzer des Aikido-Dojos-Steingasse in Linz (ISHIDORI - Dojo).

Wir haben 2006, also vor vier Jahren, unser letztes Budo - Gespräch geführt. Zeit etwas mehr in die Tiefe des Budo vorzudringen. Ich bedanke mich, dass Du dir wieder Zeit genommen hast, für uns.


1.Für einen Außenstehenden wirkt Aikido mehr wie ein Tanz, als wie ein Kampfsport. Sind die Techniken des Aikido überhaupt für einen Kampf gedacht?

Es kommt darauf an auf welcher Ebene man trainiert. Im Ko-Tai ist es statisch und es wird blockiert. Im Ju-Tai bestimmt man schon Ort und Zeit des Aufeinandertreffens. Im Eki-Tai entsteht die Form und wird nicht erzwungen. Im Ki-Tai bestimmt die Gefühlsintelligenz, die Form ist nicht mehr festlegbar. Die Form folgt der Funktion. Ohne Funktion hat die Form keine Überlebenschance. Die Basis des Überlebens nennt sich Ai-Uchi. Beiderseitiges gleichzeitiges Töten/Schlagen. Da kämpfe ich nicht um mein Leben sondern ich will den Gegner in meinen Tod mitnehmen. Wenn mir das gelingt und ich noch lebe dann kann ich vielleicht dem Gegner das Leben schenken. Wenn man in diesem Sinne Aikido trainiert ist es eine Kriegskunst und eine Vision. Das Wort Tanz stört nicht im Sinne von Schwerttanz, Messertanz. Allerdings ist zu beobachten welcher Zeitgeist in einer Gesellschaft gerade herrscht. Ob das Wort Töten tabu ist oder nicht. Je nachdem wird Aikido ausgeübt. Ich muß ja nicht töten wollen um es zu üben. Die Frage ist: Gibt es etwas was mich zwingen kann, dass ich töte? Einen Zwang in mir oder einen aus der Gesellschaft? Das impliziert auch die Frage, ob ich mich mit diesem Thema auseinandersetzen will. Oder ob ich überrascht bin, wenn dieses Thema in irgendeiner Form auftaucht, sagen wir durch einen Amoklauf, nachdem es am liebsten totgeschwiegen wird. Auf jeden Fall kann man im Aikido zwei grundlegende Unterschiede sehen: Manche benutzen sichtbar oder versteckt oder unbewusst den Ellbogen als Waffe, manche eben nicht.


2.Was erwarten Menschen, die Aikido lernen wollen? Und was kann ihnen Aikido tatsächlich geben?
Sie erwarten sich meistens die übliche Unterhaltung. Es kommt dann auf den Lehrer an was entsteht. Die Menschen sind ja nicht blöd sondern werden gerne für blöd verkauft. Sonst hätten wir ja gerade jetzt nicht diese Situation in der Welt. Brot und Spiele machen blöd. Sobald es kein Brot und keine Spiele gibt wird es kritisch. Dann regiert die Wut. Wut macht wieder blöd. Wenn sie nicht gesteuert wird, Feindbilder erzeugt werden, vernichtet sie alles. Im Aikido sollte man sich mit der eigenen Blödheit befassen um etwas unabhängiger zu sein. Je mehr man durch die eigene Blödheit durchblickt umso mehr sieht man Zusammenhänge zwischen Zeitgeist und sich selbst. Es ist dann wie im Kabarett. Die größte Furcht des Menschen besteht darin klar zu sehen und klar gesehen zu werden. Aber es gibt genug Menschen die sich dieser Furcht stellen. Für solche Menschen bietet Aikido sicher eine Möglichkeit dies auch zu tun. Wenn man mit dem Herzen eines Menschen spricht verschwindet die Blödheit für eine Weile die uns trennt. Das extreme Resultat von Blödheit ist ja Krieg. Wer will schon sterben? Aber eine Atombombe wegreden zu wollen ist Blödheit. Genauso wie eine zu bauen. Aber wenn mich eine Atombombe bedroht, muss ich schon mit dieser Blödheit mitspielen und vielleicht selber eine bauen. Blödheit steckt an. Wir müssen zusammen unsere Blödheit abbauen. Aikido ist keine Unterhaltung. Aikido ist Blödheit zu verstehen. Verstehen ist nicht populär sondern anstrengend. Aber da kommt wieder der Zeitgeist ins Spiel.


3.Im Aikido wird immer wieder auf die Lebenskraft Ki hingewiesen. Gibt es diese tatsächlich oder ist es ein Klischee, das wir "Westler" von den asiatischen Kampfkünsten haben?
Das Zeichen für Ki ist ein dampfender Kessel und bedeutet in etwa Kraft. Das Problem mit Ki ist der Glaube selbst als reale Kraft und nicht als Esoterik. Will ich an was glauben und wenn ja, an was? Im Westen haben wir schon an soviel geglaubt und sind enttäuscht worden. Dabei haben wir verlernt an uns selber zu glauben. Denn wen wir uns selbst auch noch enttäuschen, welcher Sinn bleibt dann übrig? Ki bietet die Möglichkeit Glaube mit Realität zu vereinbaren, den eigenen und fremden Handlungen Sinn zu verleihen oder auch nicht. Ki ist keine Religion. Ki ist, sagen wir mal, der Glaube an den Sinn. Ich kann aus meinem Glauben Träume realisieren. Wie stark glaube ich? An mich, an Freundschaft, an Selbstmitleid, an Hoffnungslosigkeit, an Waffen etc., d. h. an welche Macht glaube ich? Macht, Sinn und Glaube gehören zusammen. Wenn ich den Glauben, den Sinn verliere bricht mein Weltbild zusammen, meine Macht. Jeder braucht Macht um zu leben. Sonst hat er keine Vision. Ohne Vision endet man auf der Straße. Unser Problem ist, dass wir den Glauben, die Macht anderen überlassen. Wir werden von Mächten beherrscht, weil diese Mächte von Menschen getragen werden, die eine Vision haben. Sie haben einen starken Glauben. Egal ob politisch, wirtschaftlich oder religiös. Sie verwirklichen etwas. Das sind die Führer. Das ist Macht. Ki kennt keine Wertung. Ki benutzt man, Sinn benutzt man. Wo wir wieder bei der Blödheit landen. Ki ist es egal wie wir damit umgehen. Ki steht einfach zu Verfügung wie Wasser. Ob daraus Esoteriker, Atombomben oder Kindergärten entstehen ist Ki egal. Dem Universum ist ein Atomkrieg egal, es existiert weiter. Ob das Universum in ein paar Milliarden Jahren noch existiert ist uns egal. Weil wir nicht soweit denken können. Es berührt uns daher nicht und so glauben wir immer noch das Universum dreht sich um uns. Wir wollen keine Aufklärung, die hat nie stattgefunden, wir wollen das Universum nicht wirklich berühren. Wir wollen es nur benutzen und es soll uns gefälligst folgen. Aber Ki folgt nicht, es steht lediglich zu Verfügung. Wir können glauben was wir wollen, wir können Sinn verleihen wie wir wollen. Daraus resultieren unsere Handlungen und auch unsere Verweigerungen. Man könnte Ki also als persönliche Kraft beschreiben, an der man arbeiten kann. Meine persönliche Kraft erzeugt meinen Willen. Mein Wille erschafft meine Welt. Diese Welt muss gegen das Universum antreten um Bestand zu haben. Das Universum ist auch eine Art Wille, eine Art Kraft wenn man so will. Wenn ich eine Atombombe baue benutze ich diese Kraft, diese Gesetze. Darum war es O Sensei wichtig, das Ai vor dem Ki zu betonen. Wie gehe ich mit dieser Kraft um? Wie gehe ich mit dieser Macht um, wie gehe ich mit meinem Willen um? Wem oder was verleihe ich Sinn?


4.Aikido scheint insbesonders Frauen anzusprechen. Kannst Du bestätigen, dass der Anteil weiblicher Aikidokas im Vergleich zu anderen Kampfkünsten sehr hoch ist. Und wieso glaubst Du, fühlen sich Frauen so zum Aikido hingezogen?
Ich weiß nicht ob es so ist. Möglich. Einfach gesagt: Frauen arbeiten über das Gefühl und Männer über die Logik. Eine Kampfkunst ohne Gefühl und Psychologie gibt es nicht. Eine ohne Logik auch nicht weil Physik im Spiel ist. Frauen steigen im Aikido über die Gefühlsintelligenz ein, Männer über die Verstandesintelligenz. Irgendwann trifft man sich und ist gleichberechtigt da Aikido ohne Kraft funktioniert. Einer Frau ist in der Regel egal, dass sie über vitale Punkte einen Mann ausschalten kann, deswegen macht sie nicht Aikido. Sie lernt diese Möglichkeit eher nebenbei sofern sie es will. Einer Frau ist die Schönheit, Leichtigkeit und Souveränität wichtig, die integer sein muss. Die Glaubwürdigkeit des Charakters und dessen Überprüfung ist ihr wichtig. Es muss sich Lebensfreude etablieren, damit es Sinn macht. Aikido ist eine Konfrontation von Emotionen und deren Handhabung. Ein Mann macht diese Erfahrung erst nachdem er die Logik abgehandelt hat. So wie die Frau erst Interesse an der Logik findet, wenn es gefühlsmäßig passt. Das ist natürlich alles pauschal gesprochen.



5.Die Wurzeln des Aikidos liegen - soweit ich weiß - in den kriegerischen (und auch sehr gewalttätigen) Disziplinen des Budo. Was bewegte Ueshiba-Sensei dazu, diesen Weg zu verlassen und eine gewaltfreie Kampfkunst zu entwickeln?

Aikido ist nur dann gewaltfrei, wenn man es gewaltfrei ausübt. Die Formen täuschen. Ich greife keine Faust um einen Kontrollgriff auszuführen. Das funktioniert nicht. Aber wenn ich eine Faust zufällig bekomme, dann ergibt sich vielleicht ein Kontrollgriff. Da muss ich schon schwere Vorarbeit liefern. Diese muss ich erst erlernen. Aber es ist viel einfacher zu töten, zu vernichten, Schluss zu machen als eine Vision zu haben oder Sinn darin zu sehen jemanden gefangen zu nehmen und leben zu lassen. Wo wir wieder beim Glauben sind. Etwas für möglich halten. Nur zu funktionieren ist den Menschen zuwenig. Menschen stellen Anspruch auf das wie und nicht nur auf das das. Menschen stellen Anspruch auf eine gewisse Form. Hier beginnt die Auseinandersetzung, auch der Krieg. Der Krieg der Formen. Wenn wir keinen Krieg wollen müssen wir uns einen gewaltfreien Schlagabtausch liefern. Ohne Schlagabtausch wird es nicht funktionieren. Aber Tote fordern Tote. Also muss es ohne Tote gehen. Es macht keinen Sinn die Gewalt in uns zu verleugnen. Das Universum ist voller Gewalt, völlig lebensfeindlich. Wer das nicht sieht, will es nicht sehen. Die bewohnbaren Planeten sind in der Minderheit, die Sonnen sterben und die Galaxien kreuzen sich bei Zeiten. Wenn wir leben wollen und auch die Schönheit des Universums genießen wollen, dann müssen wir kämpfen, brauchen wir Gewalt gegen diese Gewalten. Die Gewalt eines Tsunami tötet. Gewaltfrei bedeutet miteinander in das Universum aufbrechen. Raus aus unserer Engstirnigkeit die uns selber Angst macht weil wir uns selber immer wieder vernichten. Eine gewaltfreie Kampfkunst bietet uns die Möglichkeit aufzubrechen aus dieser Spirale der Gewalt uns selbst gegenüber. Wir haben jetzt ca. 8000 Jahre Zivilisation auf der Erde und sind jetzt in der Globalisierung angelangt. Wir haben jetzt die Wahl. Eine schöne Welt oder eine Welt der Angst vor uns selbst. Wir haben in der Globalisierung keine oder wenige Fluchtmöglichkeiten. Je globaler umso enger. Es ist im Grunde egal, denn es wird so oder so gelebt. Aber das so oder so ist den meisten Menschen zuwenig. Darum müssen wir langsam verstehen wie man kämpft. Dass wir kämpfen, sollten wir ja schon verstanden haben.


6.War Morihei Ueshiba tatsächlich eine so außergewöhnliche, um nicht zu sagen "göttliche" Erscheinung.


Ich war nicht dabei und kann daher nichts sagen. Ich kenne nur seine Schüler. Aber er hatte eine Vision und viel Ki, sonst gäbe es kein Aikido.


7.Auf welche Punkte achtest Du besonders bei Deinem Kindertraining?

Ich mache selbst kein Kindertraining. Wir leben in einer Welt der Unterhaltung und des Spieles. Mein Aikido ist kein Spiel. Daher unterrichte ich keine Kinder. Kinder haben das Recht auf Spiele, aber sie haben auch das Recht Disziplinen wie Konzentration und Selbstkontrolle zu erlernen. Das widerspricht dem Zeitgeist. Da müssen die Eltern die Vorarbeit leisten. Mit dieser Thematik setze ich mich nicht auseinander. Dafür habe ich einen Trainer. Ich bewundere ihn unter diesen Voraussetzungen arbeiten zu wollen. Ich will es nicht.

8.Was ist Awase?

Bedeutet in etwa Verbindung der eigenen Bewegung und der des Partners. Musubi wird häufiger verwendet da dieses Wort auch die geistige Verbindung impliziert.


9.Viele Meister reden nicht sehr viel über O-Senseis Techniken, aber oft über seine Gedanken und seine Philosophie. Georg, wie denkest Du darüber?

So wie sie. Man muß es machen und Erfahrungen sammeln. Dann kann man den eigenen Stand mit dem Gehörten vergleichen. Jeder geht seinen eigenen Weg. Aber jeder kommt an derselben Erfahrung vorbei, irgendwann.

10.Im wirklichen Budo drückt man sich nicht in Wort und Schrift aus. "Den Menschen, die zu viel reden gibt Gott keine Gnade." Was bedeutet das für dich?

Mm, wie oben gesagt. Man muss es machen und nicht schwätzen. Die Schwätzer sammeln keine eigene Erfahrung. Sie sammeln die Erfahrung anderer und glauben dann, sie wissen etwas. Wir leben in der Infokalypse. Infos sind keine Erfahrung. Darum fürchte ich das Resultat. Totes Wissen fordert die Realität heraus. Menschen ohne Erfahrung pflegen totes Wissen. Sie werden abstrakt. Theorie und Praxis. Wir bestimmen aus gesammelten Infos die Gesetze. Jeder sagt, er habe die richtige Info. Dann wird über die richtige Info gestritten. Wir sollten miteinander leben so wie wir sind. Da könnten wir den Weg finden. Aber im Moment wollen wir diesen Weg nicht gehen. Wir gehen nur den Weg der gemeinsamen Info, machen deshalb Parteien. Wenn wir den Weg der Erfahrung gehen sind wir ehrlicher. Jede Kampfkunst unterliegt der gleichen Physik, denselben Gesetzen. Ein Schlag hat keinen Charakter, keinen Stil. Es gibt verschiedene Schläge, ja. Das weiß auch jede Kampfkunst. Und die Erfahrung macht den Kämpfer. Im Kampf gibt es keine Lüge. Es überlebt nur die reine Funktion. Jeder Kämpfer bekommt Infos, die er überprüfen muss. Von alten Kämpfern. Aber Info mit Erfahrung gleichsetzen ist tödlich. Wenn die Info die Welt beherrscht, und das tut sie, ist es nur eine Frage der Zeit, bis uns die Erfahrung auf den Kopf schlägt. Wir dürfen uns nicht von der Erfahrung abkoppeln. Wir müssen den Weg der Erfahrung gehen, nicht nach einer Erfahrung aufhören. Sonst entstehen falsche Infos. Falsche Infos sind funktionsuntüchtige Formen. Der Preis, an solche Formen zu glauben, ist sehr hoch, wenn die Realität diese Formen vernichtet.


11.Was ist die Bedeutung von Kiai?

Und wird es in deinem Unterricht praktiziert. Es bedeutet einen machtvollen Schrei. Vor dem Kampf, im Kampf und nach dem Kampf. Fast jedes Tier kennt Kiai. Selbst wenn es nur mit dem Schwanz rasselt wie eine Klapperschlange. Es geht um die psychologische Wirkung auf den anderen und auch auf mich selbst. Ja, ab und zu praktiziere ich Kiai.


12.O-Sensei hat immer gesagt: "Was ist denn das für ein Kiai? Mach ein größeres Kiai! Geht raus und laßt die Spatzen von den Bäumen fallen!" Das Kiai von O-Sensei hat die Scheiben klirren lassen.

Kiai ist Selbstvertrauen. Hat sich auch im Tennis manifestiert. Frauen haben nach meiner Erfahrung mehr Schwierigkeiten mit Kiai als Männer. Ich habe Schwierigkeiten mit Spatzen und Glasscheiben. Ich starre aber auch keine Ziegen nieder.

13.Wie stehst Du grundsätzlich zu Frauen, die eine Kampfkunst erlernen möchten?

Ich arbeite gerne mit Frauen. Es ist ein Weg der Gleichberechtigung ohne Rollentausch. Egal welche Kampfkunst.


14.Forderst Du das gleiche von Frauen im Training, wie von den Männern?

Ja.


15.Hast Du Berührungsängste mit Frauen? Oder umgekehrt? Haben die Schüler untereinander dieses Problem?

Nein. Ich habe nur Angst vor Frauen, die anders behandelt werden wollen als Männer oder als Männer gesehen werden wollen. Weil ich dann den Zugang nicht finde. Aber solche Frauen bleiben nicht. Schüler haben vielleicht Probleme. Ich muss einer Frau nicht weh tun um sie zu halten. Diese Erfahrung muss ein Mann machen. Ansonsten verdirbt er einer Frau das Training. Er muss auch lernen seine Aggression zurückzunehmen. Für jede Frau ist ein Mann schwer gepanzert. Furcht stört. Vertrauen ist wichtiger. Dann kommt Selbstvertrauen.


16.Frauen und ihr Körper ?

In den Kampfkünsten definieren sich Frauen nicht über ihre Erotik. Das müssen beide Seiten lernen.


17.Frauen und ihre spezielle Erziehung (Sozialisation)?

Ist ein Problem. In den Kampfkünsten befreit man sich von Bildern. Frau und Mann kämpfen im echten Leben um Geld und Qualität. Frauen, die nicht kämpfen lernen, suchen sich Beschützer über die Erotik. Es gibt die Wahl.


18.Frauen und die Nichtakzeptanz von Männern?

Ich habe im mir zwei Seelen. Wie jeder von uns. Darum sind wir Menschen und erst danach Frauen und Männer. Wer das Wort Mensch streicht landet beim Rassismus. Egal in welcher Form.


19.Würdest Du zu einer ranghöheren Aikidomeisterin ins Training gehen?

Natürlich.


20.Verspürst Du im Training eine gewisse Macht gegenüber Frauen?

Nein. Eher die Angst, dass sie mir Macht geben, nur weil sie sich als Frau betrachten. Dann wollen solche Frauen, dass ich auf diese Macht verzichte, indem ich etwas sein soll, was ich nicht bin. Solch ein Bild muss ich korrigieren. Wir haben in unserer Gesellschaft nach wie vor nicht gelernt mit Gewalt umzugehen. Am liebsten reden wir Gewalt weg. Manche wollen sie abschaffen, ausradieren. Das gelingt im Moment ja auch ganz gut. Manche Menschen haben in ihrem Bewusstsein die Gewalt abgeschafft. Diese Menschen leben am Tag in einer heilen Welt und gehen nicht durch Straßen, die wegen Gewalt in der Nacht oder sogar am Tag unpassierbar sind. Solche Straßen existieren in deren Bewusstsein gar nicht. Sie haben die Gewalt ja abgeschafft. Darum ist für sie auch kein Schutz vor Gewalt mehr nötig. Diese Menschen lieben es das Wort Gewalt mit dem Wort Krankheit auszutauschen. Kranke Menschen kann man heilen. Nachdem Gewalt ja vor allem vom Mann ausgeht, wollen sie jetzt die Männer heilen. Komischerweise schicken sie dann geheilte Männer und, man beachte, geheilte Frauen in den Krieg. Diese geheilten Menschen müssen sich dann mit Gewalt anlegen. Wenn man ihnen erlaubt zu schießen. Eigentlich verlangt man von ihnen, dass sie ebenfalls einen Krieg dadurch beenden indem sie die Gewalt abschaffen. Am besten ohne Tote. Eine bestechende Logik, oder? Wenn ein Amoklauf an einer Schule passiert, sind alle überrascht. Hat denn das niemand kommen sehen? Hat jemand übersehen einen Menschen vor Gewalt zu heilen und wen ja, wer? Man sucht dann den Übeltäter über die Medien. Frauen haben eine natürliche Furcht vor Gewalt. Eine gewaltige Furcht. Darum spielen sie dieses Spiel mit der Abschaffung von Gewalt nur allzugern mit. Das macht sie zu einem bedeutenden Faktor. Denn sie erziehen ja ihre Kinder. Sofern sie noch Lust dazu haben. Und jetzt fragen wir mal die Frauen ob sie schon mal der Gewalt eines Mannes ausgeliefert waren. Wenn genug Vertrauensbasis geschaffen wurde, wird man überrascht sein, wie viele Frauen mit ja antworten. Da läuft was schief. Diesen Frauen suggeriert man ein Recht auf ein gewaltfreies Leben indem man Gewalt einfach abschafft anstatt sie den Umgang mit Gewalt zu lehren. Und sie wiederum ihren Kindern den Umgang mit Gewalt beibringen. Aber wir lieben es statt dessen neue Worte zu erfinden. Entschleunigung, schwarze Pädagogik, Patchworkfamily, verhaltenskreativ, um nur einige zu nennen. Wir lassen diese Menschen in der Realität im Regen stehen und erfinden neue Gesetze obwohl nicht einmal die alten eingehalten werden. So bekommt die Gewalt neue Macht über uns. Nein, ich verspüre keine Macht über Frauen. Ich will auch keine haben. Wenn sie Angst vor einem Schlag haben, kann ich ihnen beibringen, sich diesem Schlag zu stellen (jeder normale Mensch sollte Angst vor einen Schlag haben). Wenn sie sich stellen, verliert die Angst an Macht. Es ist möglich Gewalt zu zähmen. Es ist möglich Gewalt Grenzen zu setzen. Dazu brauche ich funktionierende Mittel. Es ist unmöglich Gewalt abzuschaffen. Wir können einen Vulkan nicht verbieten. Wir können sehr wohl mit ihm leben. Angst sollte uns nur vorsichtig machen, nicht lähmen. Wir sollten Frauen nicht belügen, indem wir ihnen von Rechten erzählen, die nichts wert sind. Wenn ich Respekt vor Gewalt habe, dann habe ich auch Respekt vor einer Frau. Eine Frau hat die Macht mich für ein Leben unglücklich zu machen. Also sollte ich vielleicht lernen mit dieser Macht umzugehen anstatt sie wegzureden.


21.Nimmst Du meistens Männer als Uke? Wenn ja, warum?

Nein. Ich nehme jeden. Wenn ich über das Gefühl arbeite, dann habe ich bei Frauen meistens mehr Auswahl. Sie verstehen da schneller. Zuerst muss ich ihnen die Furcht vor der Geschwindigkeit des Gefühls nehmen. Wenn ich mit Männern das Brechen des Gleichgewichtes übe und mit starkem Widerstand arbeite, habe ich auch deren Furcht zum Gegner. Männer bekommen von mir stärkeres Atemi als Frauen, körperbedingt. Da kann schon mal die Luft rausgehen. Männer verhärten dann gerne. Es kommt eben darauf an, wo gerade mein Schwerpunkt liegt. Ab einen gewissen Level ist es egal. Da hat sich hart und weich vereint.


22.Was sind deine Ziele als Lehrer, was möchtest du den Schülern in Zukunft vermitteln?
Ich möchte, dass sie eine Vision haben. Einen Glauben. Sie sollen kein Opfer der Blödheit sein. Sie sollen sich stellen und ein lebenswertes Leben leben. Sie sollen eine Fata Morgana nicht mit einer Vision verwechseln. Sie sollen ein vollständiges Leben suchen. Und letztendlich: Sie sollen keine Angst vor der Angst haben. Angst ist eine natürliche Warnung vor Gefahr. Aber sie darf dich nicht lähmen. Wer eine Vision sucht, darf vor dem Scheitern nicht zurückschrecken. Brot und Spiele machen bequem. Sie ersticken die Vision. Ich wünsche ihnen den Aufbruch in das Universum und den dazugehörigen Mut.



23.Denkst Du, dass auch dein Stil O'Senseis Lehren nahe kommt?

Ich glaube, es gibt keinen Stil sondern nur Charakter. O Sensei hat sein Ego sehr aus der Technik zurückgenommen. Das hat ihn ausgemacht, denke ich. Seine Lehre ist die Lehre des Überwindes des eigenen Ichs. Ich arbeite daran. Aber ich bin nur ein kleiner Wurm mit der Kraft zu graben. Ich habe nicht vor einen eigenen Stil zu gründen. Ich benutze das vom Universum erschaffene Rad und verzichte darauf es gefunden zu haben. O Sensei hat gesagt, wir sollen uns nicht mit Menschen messen sondern mit den Göttern. Ich folge dieser Metapher. Ich lege mich mit diesen Gewalten an. Diese interessieren mich, nicht ein Meindl-Ryu. An meinem Charakter komme ich ohnehin nicht vorbei. Das sage ich auch meinen Schülern. Sie sollen bei mir Aikido lernen, nicht meinen Charakter kopieren. Der gehört mir.

Ich bedanke mich für das Gespräch, bis zum nächsten Mal.

Autorisiertes Interview vom 20.04.2010

Rado M. Radanovic
www.taichiverein-linz.at


Home | Kurse | Über mich | Mein Lehrer | Chi Gong | Kontakt | Lernstoff | Sitemap


Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü