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Taiji-Meister
Sifu Luis Molera
Aikido 5.DAN
Georg Meindl
BUDOGESPRÄCH
::Der Grund warum wir hier sitzen ist folgender. Als ich mit den Linzer - Budogesprächen begann im Jahre 2000, warst Du lieber Georg mein erster Interviewpartner, wir waren am Anfang eine kleine Taiji-Gruppe und es war so gedacht das wir einmal ein Interview für unsere erste gedruckte Ausgabe haben. Inzwischen folgten die Interviews mit Fritz Heuscher, Meindl 2, 3 und 4 (Aikido) und mit Sifu Luis Molera (Taijiquan). Die Linzer - Budogespräche bekamen ein Eigenleben und wurden allmählich zu unserer Tradition. Wir veröffentlichen nur mehr Online, auf www.taichiverein-linz.at. Die Interviews werden auf der ganzen Welt gelesen und sind auf Anfrage auf Ungarisch und Slowakisch übersetzt worden.
Nun sitzen ein Aikido-Meister und ein Taiji-Meister gegenüber. Ein lange gehegter Wunsch von mir.
Georg: Bitte alles, nur nicht Meister sagen, zu mir. Da bekomme ich direkt Angst, vor mir selbst. Ich möchte auf keinen Fall von den Schülern als "Guru" betrachtet werden.
::Also, damit wir uns richtig verstehen. Ich meinte Meister im Sinne von Handwerk. Es gibt da Fertigungsstücke die vom Gesellen angefertigt wurden und andere die vom Meister persönlich gemacht wurden. Es gibt Kunden die möchten auch Stücke vom Meister haben. Wenn wir davon ausgehen das Aikidos und Taiji kein Sport sind, sondern eine Kunst (Kampfkunst) sind. Spricht man auch in der Kunst nicht von einem "Meisterstück".
Georg: Luis du bist Meisterschüler vom Großmeister William C.C.Chen. In China ist das so und vor dem habe ich großen Respekt, keine Frage. Doch gibt es bei uns im Aikido die Graduierungen, auch Kinder - Dane genannt. Bis zum 3-ten DAN hat man die "Kinder - Dane" ab dem 5-ten DAN sind es die "Erwachsenen - Dane". Also bin ich erst seit kurzem, gerade noch erwachsen geworden.(lacht)
Luis: Also das mit dem Meister ist nur hier im Westen eine etwas komische Sache. Das ist vielleicht hier in unseren Gegenden so wichtig, weil man alles strukturieren möchte. Im chinesischen Tai Chi Chuan gibt keine Graduierungen. Dennoch wird der Meister in einer Kunst sofort respektiert. Es gibt in China für viele Dinge einen Meister und da käme keiner auf die Idee einen Menschen sofort als "Guru" zu betrachten, nur weil er etwas Bestimmtes, ganz besonders gut kann und deshalb eine Meister ist. Es steckt nämlich eine menge Arbiet, wenn man etwas "Gemeistert" hat. Davor haben die Leute in China eben großen Respekt. In China gibt es Schulen, wo der Schüler und sein Meister im gleichen Alter sind. Der Schüler respektiert seinen Meister, weil dieser viele Jahre vor ihm zu Üben begonnen hat und das ist der springende Punkt.
Georg: "Etwas meistern" bedeutet nie zufrieden sein, mit dem was man erreicht hat. Ich arbeite im Moment daran, dem 6-ten DAN gerecht zu werden und hoffe das ich dann Aikido einigermaßen gut kann. Ich werde nie zufrieden sein, mit mir selbst Das ist keine falsche Bescheidenheit, ich meine das wirklich so. Oder noch besser ich fühle es.
:: Ist es nicht so das, dass was rausgekommen ist, entscheidend ist ob man jemanden als Meister bezeichnet. Viele Schüler die einem folgen, internationale Workshops, Lehrerurkunden, jahrzehnte langes üben. Bei euch beiden kann man da schon mut gutem Gewissen sagen, da ist so manches Fertigungsstück rausgekommen.
Aber da gibt es eine noch weitere Dimension. Was ist ein Großmeister?
Luis: Ich kenne die chinesische Seite und kann somit nur so eine Erklärung ablieferen. Ich spreche jetzt nicht wie es in Japan ist, da kenne ich mich zu wenig aus. In China ist die Kultur eine ganz andere. Es die Art wie man zu einenander in Beziehung tritt. Es ist eine Frage des Respekts. Es ist so eine Art Großvater/Enkel Beziehung. Wenn man einemal ganz verzweifelt ist und man nicht weiter weiß, da nützt es nichts wenn man einen gebildeten Vater hat. Er kann manchmal auch nicht helfen. Da hilft nur jemand der das Wissen hat und die notwendige ERFAHRUNG besitzt. Das ist dann der Großvater. Es gibt noch einen Vorteil man kann ihm genauso vertrauen, wie dem eigenen Vater. Das Wissen vom Großmeister kann man nicht kaufen. In der heutigen Zeit, hört man nicht auf die Alten. Die Großväter sind bei uns in Altersheimen. Aber wenn ich, etwas über Taiji wissen möchte, frage ich meinen Großmeister. Er übt Taiji 70 Jahre länger als ich.
::Georg, wir haben nun die chinesische gehört. Gibt es so etwas auch in Japan auch.
Georg: Bei uns gibt es die Graduierungen. Früher gab es ein paar Grundsätze, also nur 3 DAN Grade: 1-er DAN: "Du hast einen Fuß in der Tür. Die Tür kann sich nicht mehr schließen."
2-er DAN: "Man hat dir alles gezeigt, du kannst es noch immer noch nicht." 3-er DAN (der heutige 6-te DAN) "Du kannst es. Nun kannst du dich mit anderen Schulen vergleichen." Der Großmeister beu uns ist der 7-te, 8-te, 9-te DAN. Das sind Menschen die es können und älter geworden sind und die Kunst mit ihrer Erfahrung bereichern.
Ich mache inzwischen Witze über die Graduierungen bei uns in Europa. Ich sage: 1-ter DAN "Ordnet sein Leben." 2-ter DAN "Hat es geschafft." 3-ter DAN "Ist verheiratet." 4-ter DAN "Ist geschieden." (Alle lachen)
Das Gesamte Interview hier im Passwortbereich in Kürze.
Autorisiertes Interview Oktober/2010
Rado M. Radanovic
www.taichiverein-linz.at
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